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Kleine Tiger beißen nicht nur – Aggression bei Kindern

Heute nehme ich meine Aggression als Mama unter die Lupe und schaue hinter die Aggression von Kindern. Das Buch „Aggression – Warum sie für uns und unsere Kinder notwendig ist“ (kein Werbelink, aber für Interessierte) von Jesper Juul hat mich dazu inspiriert. Was verbindet ihr mit Aggression? Was bedeutet Aggression überhaupt? Wie können Kinder lernen, mit ihrer Aggression umzugehen?

Verärgertes Gesicht

Aggression bei Kindern und ihre Botschaft

Mit Aggression verbinde ich zunächst laut, zerstörerisch und unfair sein, was zu vermeiden ist. Ist Aggression zu verdrängen und lohnt sich das überhaupt?

Aggression ist eine menschliche Emotion und natürlich nicht auszublenden oder zu unterbinden. Aggressiv sein bedeutet nicht nur „angreifen“, sondern auch „sich nähern“, also einem Ziel. Um morgens aus dem Bett zu steigen oder von München nach Hamburg zu kommen, brauchen wir Aggression. Was ist, wenn sich die Aggression aber nicht konstruktiv sondern (selbst)zerstörerisch ausdrückt? Ihr habt es selbst erlebt oder erfahren: Kinder beißen, hauen oder treten. Juul lädt uns dazu ein, aggressives Verhalten bei Kindern so zu verstehen: Hallo, existiert dort draußen jemand, der wünscht, meine Welt kennenzulernen und versuchen will, das Leben aus meiner Perspektive zu erfahren? Ich fühle mich in letzter Zeit nicht gut und kann alleine nicht herausfinden, was sich machen lässt. Kinder seien oft frustriert, wenn etwas nicht klappt und zeigen dies häufig durch aggressives Verhalten. Kinder wie Erwachsene würden sich im Moment der Aggression nicht wertvoll fühlen.

Ursachen für Aggression

Kinder fühlen sich dann nicht wertvoll, wenn sie:

  • ausgeschlossen werden.
  • wenn sie einen Wunsch haben, den keiner beachtet.
  • in Konflikten, wenn z. B. Geschwister den aufgebauten Turm zerstören.

Verärgertes Gesicht

Die Aggression der Eltern und Bezugspersonen

Bezugspersonen zeigen Aggression nicht nur körperlich, sondern auch mit lauter Stimme, mit Strafen oder als versteckte Wut hinter der Engelszunge. Jesper Juul nennt das die Gewalt der Freundlichkeit, da es menschenunmöglich ist, nur freundlich zu sein. Vielleicht habt ihr es selbst bei euch oder bei anderen erlebt: Wer ein hohes Ideal hat, immer freundlich zu seinen Kindern zu sein, scheitert an den aufgestauten Emotionen, bis er doch laut wird und sich am Ende schuldig und traurig fühlt. Oder Bezugspersonen wachsen in einem gewaltbereiten Umfeld auf und lernen leider, dass Konflikte mit Gewalt (dazu zählt auch eine Ohrfeige) zu lösen sind.

Die Reaktion auf die Aggression

In Anlehnung an Jesper Juul könnte man einen Bruder, der seine Schwester schlägt, so begleiten:

1. Persönliche Grenze ziehen: „Ich möchte, dass Du aufhörst, Deine Schwester zu hauen.“

2. Verständnis zeigen und Nachfragen: „Ich sehe, dass Du verärgert bist.“ Wenn Nachfragen möglich ist: „Was hat dich denn so verärgert?“

3. Lösung anbieten: „Ich zeige Dir, was Du tun kannst, wenn Du etwas nicht möchtest. Es kann eine Weile dauern, bis Du lernst, wie Du das machst und bis Deine Schwester Dich versteht“

Als erwachsene Vorbilder reagieren wir selbst nicht destruktiv aggressiv, sagen also nicht „Es ist böse, seine Schwester zu schlagen“, sondern ziehen eine eigene Grenze, fragen nach und bieten eine konstruktive Lösung an. Kinder werden so dazu ermuntert, selbst ihre persönliche Grenze zu setzen. Sie erfahren, dass sie „gesehen werden“, Fehler machen dürfen und lernen, sich in andere hinein zu versetzen.

Verärgertes Gesicht Aggression

Die Geduld mit der Aggression

Kinder zeigen oft, wie konstruktiv ihre Aggression sein kann: Sie bauen den Turm immer wieder auf, wenn er umfällt und sie stehen wieder auf, wenn sie beim Laufen lernen hinfallen. Die Tochter ruft „Mist“, wenn sie beim Balancieren herunterfällt und versucht es von neuem. Warum Kinder wie Dracula beißen, wie ein Lama spucken, wie Tiger kratzen, uns verbal tot schießen oder zuhauen und den verfolgen, der sich dem Schlag entzieht? Juul schlägt vor: „Kinder brauchen eine Kindheit experimentellen Lernens, destruktive Aggression zu kontrollieren und von konstruktiver zu unterscheiden… Es braucht eine Kindheit lang, um zu lernen, aggressive Gefühle zu integrieren und konstruktiv und kreativ zu nützen.“ Ich als Erwachsene wünsche mir die Geduld, der Tochter diese Zeit zuzugestehen.

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2 thoughts on “Kleine Tiger beißen nicht nur – Aggression bei Kindern”

  1. Leider ist es genau das, was viele Eltern heute nicht mehr haben: Geduld und Verständnis. Alles muss schnell gehen, keine Zeit und wenn dann möchte man das alles funktioniert.

    Uns ist es wichtig zu erkennen warum unsere Kinder so reagieren wie sie reagieren. Alles hat seinen Grund und oft gilt das Sprichwort “ Schau dir dein Kind an, es ist wie dein Spiegelbild“

    LG vom Muttergans.de

    1. Hallo liebes Team von Muttergans,

      welches Bild, in dem sich mein Kind widerspiegelt, lebe ich denn vor?
      Das zu erkennen und in ein Bild zu verwandeln, wie ich es mir wünsche, erfordert auch Geduld und Verständnis für mich selber.
      Zu akzeptieren dass Eltern Fehler machen, könnte sich auch in den Kindern widerspiegeln.
      Es tut so gut, Fehler machen zu dürfen und einfach nur gut genug sein zu müssen 😉

      Liebe Grüße,
      ideas4parents team – Gila

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