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Familie nach Umzug, beim Möbelaufbau und in der Matschküche – wie lernen wir schnell Geduld?

Unser Umzug als Familie ist vier Monate her. In der Großfamilie werden wir bemitleidet: „Oje, ihr habt noch Kisten im Wohnzimmer“ oder verwundert gefragt:  „Wann habt ihr denn den Boden in eurer Küche verlegt?“ Dazu kann ich sagen, dass unsere nutzbare Wohnungsfläche allmählich wächst (im Gegensatz zu den Stofftierbergen im Wohnzimmer) und irgendeine Baustelle findet sich immer.

Ich habe in den letzten Monaten erfahren, dass alles ganz laaangsam gehen darf und Tage inmitten von Kisten umzugsfrei und pflichtvergessen verbummelt werden können. Die Erwachsene in mir, die schnell etwas beenden will, lässt sich auf die Langsamkeit ein und übersieht vieles mit Tunnelblick. Auch wenn mir gelegentlich jemand schmeichelt und meine Geduld lobt, könnte ich jeden Tag auch genau das Gegenteil beweisen. Warum werde ich als Mama so ungeduldig? Haben wir und unsere Kinder manchmal mehr Geduld als uns bewusst ist? Warum auch die Ungeduld liebenswert ist? Und wie übe ich mich schnell in Geduld, wenn ich sie brauche?

Geduldig sein bedeutet mehr zu SEIN als zu TUN und genau darin besteht für mich die Herausforderung: Geduld mit sich und mit anderen haben, auf etwas warten können, etwas hinnehmen können, gelassen im Familienchaos bleiben oder werden. Meine Ungeduld bringt mich immer wieder dazu, mich zu ärgern, unruhig oder unzufrieden zu sein. Was hat denn das mit Umzug und Möbelaufbau zu tun?

Warum gemeinsam mit Kindern Möbel aufbauen

Möbel zusammen aufzubauen ist wie ein Spiel mit dem echten Leben. Kinder ahmen uns Eltern nach, „messen“ Wände aus, lernen Werkzeug kennen: „Mama, ich brauche den Inbusschlüssel“ und sie trainieren ihre Hand-Hand-Koordination und ihre Auge-Hand-Koordination, die sie zum Schreiben brauchen. Wenn da nur nicht die Ungeduld wäre… Kinder wollen etwas selbständig erleben und wir Eltern wollen oft ein Ergebnis sehen oder etwas beenden. Kinder werden ungeduldig, weil sie auf den Inbusschlüssel warten sollen oder weil etwas nicht klappt.

Warum eine Matschküche für den Garten bauen

Unsere Matschküche haben wir uns vom Blog „Geborgen wachsen“ abgeschaut. Auch Dani hat bei „Glucke und so“ schon ein schönes Modell aus einer Gartenbank gezaubert. In der Matschküche spielen Kinder frei und entwickeln auch ohne Vorgaben Ideen, was wie benutzt werden kann. Beim Aufbau erleben Kinder den Prozess, sie erfahren, dass etwas selber bauen dauert und dass man warten muss, bis es fertig ist, sie spielen mit der Geduld.

So schön das klingt, es ist eine Geduldsprobe für mich als Mama, Möbel gemeinsam aufzubauen und nicht selbst in einer Nacht- und Nebel-Aktion ohne Kind zu tun. Wie versöhnen wir Eltern uns mit unserer eigenen Ungeduld und wie leben wir Geduld vor?

Warum ich ungeduldig bin

Ich habe einen Plan in meinem eigenen Tempo und in meinem eigenen Rhythmus und der wird durchkreuzt, vom Tempo und Rhythmus meiner Tochter. Wenn ich etwas schnell abschließen möchte, werde ich ausgebremst oder ich will etwas in Ruhe beenden und höre z. B. „Mama, komm‘ schnell, hier ist alles nass“ und soll sofort reagieren. Aus der Perspektive der Tochter geht es ihr mit mir genauso – ihr Rhythmus und ihr Tempo werden von meinem durchquert. Durch meine Ungeduld und mein nicht warten wollen fühlt sich leider alles noch langsamer an.

Warum auch die Ungeduld liebenswert ist

Wenn wir Menschen aber gar nicht ungeduldig wären, würden wir nichts beschleunigen wollen. Wir könnten unendlich lang warten und würden Dinge hinnehmen, wie sie sind, auch wenn wir Dynamik oder Überzeugungskraft entwickeln können. Ungeduld lässt uns vielleicht auch Dinge verändern, Prozesse in Gang setzen und die Zukunft gestalten.

Wann wir Eltern und Kinder vielleicht geduldiger sind als wir gedacht haben

Manchmal vergessen wir, wie geduldig wir in manchen Situationen sind. Wir tauchen ein in die Kinderwelt, schauen unseren Kindern abwartend beim Spiel zu und lassen sie ausprobieren. Die Kinder versuchen aufzustehen, scheitern und versuchen es erneut oder geben nicht auf, die Funktion von Gegenständen zu untersuchen und zu verstehen.

Wie ich manchmal schnell Geduld finde

Was ist denn jetzt dringend? Was ist jetzt wichtig? Wichtig ist uns Eltern vor und nach einem Umzug vieles – aber was ist wirklich dringend? Was kann bis wann geduldig warten? Das wird wahrscheinlich jeder subjektiv bzw. entsprechend eigenen Bedürfnissen beantworten. Ein Zeitplan mit genügend Pausen und ausreichend Zeitpuffern für (un)vorhersehbare Verzögerungen fördert meine Geduld, damit nicht alles sofort und schnell erledigt werden muss.

Was mich im Jetzt schnell geduldig werden lässt – vorausgesetzt ich komme im entscheidenden Moment darauf, ist sofort alles zu verlangsamen. Wie? Egal, bei mir funktioniert lange ausatmen ganz gut. Oder genug Zeit einplanen und in Ruhe handeln, trotz Angst, die Zeit zu „verschwenden.“ Es dauert manchmal weniger lang als befürchtet. Ich warte auf viele Momente, in denen das im Alltag mit der Tochter gelingt.

Das Spiel mit der Geduld

Oft habe ich mich gefragt, was Kinder oder wir Eltern, die ungeduldig sind, jetzt dagegen tun könnten. Wenn Kinder, die wachsen, Hunger und Durst haben oder das Bedürfnis nach körperlicher Nähe, ist es natürlich sinnvoll, die Bedürfnisse zeitnah zu erfüllen. Wenn wir Eltern einen Termin haben, können wir uns zwar genügend Zeit einplanen, können aber nicht langmütig mit unseren Kindern jede Bordsteinkante entlang balancieren, sondern wir gehen los. In solchen Fällen handeln wir. Aber müssen wir bei jeder Ungeduld etwas tun?

Ich habe mir vorgenommen, in die To-Do Liste mehr „To be“ einzustreuen und öfter mal mit der Geduld zu spielen: da SEIN und wenig TUN, dem Geduldsmuskel zuliebe.

Wie findet ihr Geduld, wenn ihr sie nicht habt, aber braucht?

 

 

 

 

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